Auch in diesem Jahr waren die Wettervorhersagen verantwortlich für die Auswahl unseres Zieles: Nur in den südlichen Ostalpen war einigermaßen gutes Bergwetter vorausgesagt, so dass die anderen Ziele (Weissmies, Lagginhorn im Wallis/Schweiz und der Jubiläumssteig an der Zugspitze) auf die nächsten Jahre verschoben werden mussten.
Deshalb haben wir – Ricco Dunsch, Wolfram Tschuck, Steffen Jackstien, wieder einmal Norbert Jackl, Thomas und Holger Wegner und als „Neuer“ Lutz Hensel- uns ein auch schon lange geplantes Ziel den höchsten Berg Sloweniens (bzw. auch Ex-Jugoslawiens), den Triglav vorgenommen.
So ging es am Donnerstagmorgen zügig gen Süden, 14.30 Uhr konnten wir mit der „kleinen Einlauftour“ am Aljazuv dum in ca. 1000m Höhe starten, dann ging es 4 Stunden, teils auch gesichert, fast nur bergauf. Der Triglav kam immer näher, aber der Nebel verhüllte ihn völlig. Gegen 18.30 Uhr erreichten wir leicht geschafft das 1. Tagesziel, das in 2332 m Höhe gelegene Dum V. Stanica. Diese Berghütte liegt etwas abseits vom Triglav und vom Triglav-Haus mit dem Vorteil, dass mit uns nur noch 3 andere Bergsteiger übernachteten, währenddessen das Triglavhaus sehr voll war. Nach einem nicht allzu üppigem Abendessen und einer Kissenschlacht – das Lager gehörte uns alleine- hofften wir für den nächsten Tag auf das angekündigte bessere Wetter.
Das Wetter aber am
Freitagmorgen zwang uns anfangs zu untätigem Warten, da es vom
Triglav her stürmte und regnete und teilweise auch Gewitter
vorbeizogen – und das ist für das Begehen eines Klettersteiges sehr
gefährlich. Aber 9.30 Uhr sah es etwas besser aus und wir konnten
starten, nach einer Stunde erreichten wir das Triglavhaus und 11.30
Uhr war der Triglav nach sehr vielen Eisensicherungen (auch genannt
„Stachelschwein“) mit seinen 2864 m bezwungen. Oben erwartete uns
schon Lutz mit einem gedeckten Gipfeltisch und seinem
obligatorischem Einstand. Leider war wegen des dichten Nebels nicht
viel zu sehen.
Der Abstieg dann verlangte wegen aufkommenden Regens und sehr
glatten Steinen und Sicherungen höchste Konzentration, deswegen war
es leider auch nicht möglich den recht anspruchsvollen
Bamberg-Klettersteig abzusteigen. Nach einer kurzen Rast mit kalter
Gemüsesuppe in der Trzaska-Hütte ging es dann auf interessanten
Wegen, die teils richtig aus der Felswand herausgemeiselt waren,
bergab um vor dem Ljukna-Sattel wieder 500m Meter auf 1758 m
aufzusteigen. Hier hatten wir das große Glück aus nächster Nähe
Steinböcke zu sehen und zu fotografieren. Beim steilen Abstieg
Richtung Aljazuv dum haben wir eine neue Sportart kreiert – das
Mountain- oder Stone-Surfen – auf den steilen Schotterhängen konnte
man sich fast wie im Schnee mit etwas Geschick abrutschen lassen –
ein Heiden-Spaß, auch wenn dann die Schuhe voller Steine waren. Nach
einem kurzen Stück Kampfes durch den Urwald und einer Erfrischung im
Fluss erreichten wir bei stärkerem Regen wieder unseren
Ausgangspunkt – das Aljezuv-Haus. Da dieses Haus völlig überbelegt
war und der „cheepest room“ in der Nachbarschaft nur ein besserer
Stall war, ging es per Auto ins Tal nach Mojstrana, wo wir eine
nette Pension fanden und auch zu vernünftigen Preisen zu Abend essen
gehen konnten.
Ein Wunschtraum von Thomas und
Holger sollte am nächsten Tag in Erfüllung gehen: nach kurzer Fahrt
zum Vrsic-Pass war der Prisojnik mit dem bekannten okno (Fenster)
das Ziel.
Nach kurzer Wanderung (angeführt von unserem „Beutel-Lutz“) ging es
in den herrlichen Nordwand-Klettersteig mit einigen leichten
Kletterstellen und auch einem überdachten Band, welches nur liegend,
kriechend und angeblich nur mit abgeschnalltem Rucksack zu
bewältigen war. Vom Steig hatte man herrliche Ausblicke in die
Serpentinenstraße zum Vrsic. Nach 650 Höhenmetern kam dann der
Höhepunkt – das vordere Prisojnik-Fenster – eine Felsschlucht ca.
50m hoch und einem Loch mit ca. 20 m Durchmesser am oberen Ende,
durch dieses man durchklettert und auf die bewaldete Südseite des
Berges gelangt – einfach grandios. Aber leider war vom erhofften
Ausblick und der wärmenden Sonne nichts zu sehen, wir sind in einer
richtigen Wolkenwand angelangt. Die nächsten 2 Stunden ging es dann
immer noch höher bis auf den Gipfelgrat, wo wir zumeist in gebückter
bzw. liegender Haltung uns vorwärts bewegten um nicht vom Grat
geblasen zu werden. Nach 4,5 h erreichten wir dann recht geschafft
den Gipfel des Prisojnik (2547 m), aber leider wieder im Nebel und
bei beginnendem Regen. Deshalb nahmen wir dann auch den kürzesten
Abstieg zum Vrsic und gingen nicht den Jubiläumsweg über das hintere
Fenster. Von der Passstraße aus konnten wir dann nochmals das
Fenster bewundern und Norbert erinnerte uns mit seinen Erläuterungen
an die dort stehenden und fotografierenden Autotouristen an Horst
Bach nach der Bezwingung der Zugspitze.
Das kalte Duschwasser bekamen wir durch die Pensionswirtin mit einer
Art Slivovic „angewärmt“ und zum Abendessen wurden die Pläne für die
nächsten Touren festgelegt.
Die Rückfahrt, die auf Grund von Unfällen und Staus sehr lange dauerte, lockerten wir noch mit einem kurzen, aber knackigen Klettersteig in den österreichischen Karawanken auf.
Insgesamt legten wir an diesem Wochenende ca. 42 km und 3700 Höhenmeter zurück und dürften somit zumindest konditionell für die nächste Volleyballsaison gut vorbereitet sein,
Dank sagen möchten wir dem Autohaus Mischner in Prossen, das uns recht kurzfristig und zu einem sehr kulanten Preis einen Neunsitzer zur Verfügung stellte.
Holger Wegner