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Alpinistik

Der höchste Berg der Schweiz – der DOM
4545m - bezwungen

 

Am Donnerstag, dem 1.September 2005 um 3 Uhr morgens starteten die bergverrückten Volleyballer der KVG Ricco Dunsch, Norbert Jackl, Steffen Jackstien, Wolfram Tschuck und Holger und Thomas Wegner in Richtung Schweiz, um nach einem Jahr Pause wieder einen 4000er zu bezwingen. Da das Wetter sich von der besten Seite zeigte und auch der Wetterbericht nur gute Vorhersagen traf, war das Ziel klar: der Dom mit 4545 m Höhe der höchste (allein auf Schweizer Gebiet stehende) Berg der Schweiz.

Nach 1130 km und 11 Stunden Autofahrt waren wir dann gegen 14 Uhr geschafft in Randa, ca. 8 km unterhalb von Zermatt. Aus den Erfahrungen der vor 4 Jahren gescheiterten Besteigung des Doms durch Ricco, Norbert und A. Heinrich nahmen wir uns für den Nachmittag nur den Anstieg von 1400 m (Randa) bis 2220 m in die Europahütte vor.

Den sehr steilen Aufstieg bewältigten wir locker in reichlich 2 Stunden und konnten anschließend an der Europahütte den sonnigen Abend mit einem herrlichen Blick auf

das gegenüberliegende Weißhorn genießen.

Den Freitag konnten wir auch ruhig angehen, da nur der Aufstieg in die 700 m höher gelegene Domhütte bevorstand. Nach dem Bewältigen eines interessanten Klettersteiges waren wir dann bereits gegen 10.30 Uhr in der Domhütte (2940m), wo wir ganz freundlich von den Wirtsleuten begrüßt wurden. Nach dem Einrichten unseres Lagers sichteten wir am Nachmittag noch den uns bevorstehenden 1. (nächtlichen) Teil Richtung Dom. Dazu stiegen wir ca. 400 m bergauf und markierten mit Steinmännern die Strecke, damit wir sie dann auch im Dunklen finden. Der Abend war dann ausgefüllt mit Vorbereitungen auf den Gipfelsturm: Packen der Sachen, Getränke vorbereiten, Essen und Trinken, genaues Festlegen der Aufstiegsroute, dabei empfahl uns der Hüttenwirt bei den z.Zt. guten Schneeverhältnissen  über den viel interessanteren (auch schwierigeren) Festigrat aufzusteigen.

Die Hütte füllte sich immer mehr, u.a. auch mit 6 tschechischen Bergfreunden aus Decin.

Nach einem sehr guten Abendessen mit hausgemachter Gemüsesuppe und Spaghetti ging es dann bereits 20 Uhr zum Schlafen.

Um 3 Uhr war am Sonnabend, dem 3.9., allgemeines Wecken in der Hütte, gestärkt nach dem Frühstück und gut ausgerüstet war für uns sechs um 3.50 Uhr Abmarsch von der Domhütte.

Viele Lampen blinkten vor uns, aber auch viele erst nach uns. Die ersten 30 Minuten ging es auf einem guten, ansteigenden Wanderweg Richtung Festigletscher, wo wir bereits die Steigeisen anlegten und unter Umgehung vieler Gletscherspalten dann ca. eine Stunde zum Felsen Richtung Festijoch  gingen. Dort mussten wir (da wir sehr schnell unterwegs waren) mit anderen Bergsteigern erst einmal den Einstieg in den kurzen, aber knackigen Klettersteig suchen. Nach knapp 3 Stunden waren wir dann (nun bereits im Hellen) auf dem Festijoch (3750 m), wo wir uns entscheiden mussten auf dem Festigrat oder über den Hohberggletscher aufzusteigen. Wie die meisten entschieden wir uns für den Festigrat, der uns auch gleich am Anfang die Schwierigkeiten aufzeigte: ganz steile Schneepassagen, die zum Glück nur selten vereist waren, Ab und zu wurde es auch etwas flacher bzw. kurze Felspassagen waren zu überwinden – außer der bemerkbaren Höhe hatten wir keine Probleme. Wegen auftretender Gletscherspalten war es dann auch nötig am Seil zu gehen. Die Mühen wurden durch phantastische Ausblicke zurück auf den Festigletscher oder nach links auf den Hohberggletscher bzw. auf die vor uns liegenden Gipfel Dom, Täschhorn, Nadelhorn mit Nadelgrat u.a. belohnt. Am Abzweig zur Normalroute kamen uns auch die ersten entgegen – noch ca. ¼ Stunde zum Gipfel. Plötzlich hörten wir es über uns mächtig poltern und sahen einen Bergsteiger vom Gipfel abstürzen, nach vielen Loopings und einer für uns unendlich langen Zeit des Rutschens kam er ca. 50 m neben uns zum Anhalten. Ricco und Wolfram machten sich sofort für eine Bergung bereit, was unglaublicherweise gar nicht nötig war:

Der (wie sich dann herausstellte) tschechische Sportfreund stand auf und kam zu uns gelaufen, auf Anfrage war auch alles (vielleicht außer einem Schock) in Ordnung.            

So konnten wir also ohne große Rettungsaktion die restlichen 150 Höhenmeter in Angriff nehmen. Kurz nach 10 Uhr (nach 6 h u. 20 Min. Aufstieg) war es dann soweit:

Die 6 Königsteiner Volleyballer standen auf dem Dom – 4545 m ü. NN.

Leider pfiff ein sehr starker, kalter Wind und die Wolken rissen nur selten auf, so dass der Blick auf die umliegende Gebirgslandschaft vom Nadelhorn, über die Duffourspitze und das Matterhorn bis hin zum Mt. Blanc nur kurz war. Der bevorstehende nicht ungefährliche Abstieg, zumal noch viele Gruppen im Aufstieg waren, ließ nur eine kurze Gipfelpause zu.

Angeseilt und sehr, sehr vorsichtig gingen wir den Gipfelabstieg an, der aber nach dem Abzweig zum Hohberggletscher viel ungefährlicher, aber durch den tiefen, aufgeweichten Schnee nicht unbedingt einfacher wurde. Nach dem dann doch ruhigerem, wegen der Gletscherspalten noch vorsichtigem Abstieg mit einigen wohlverdienten Pausen in der gleißenden Sonne trafen wir ca. 15 Uhr wieder in der Domhütte ein – das jetzt verdiente Gipfelbier schmeckte einfach phantastisch, zumal wir von unseren Deciner Sportfreunden erfuhren, dass der Verunglückte keinerlei Verletzungen hatte.

Allzu lange konnten wir aber die Pause an der Domhütte nicht ausdehnen, denn in der Europahütte wurde schon auf uns gewartet: Beim Aufstieg erfuhren wir dort, dass es mit Übernachtungsplätzen von Sonnabend auf Sonntag ganz schlecht aussähe, wir aber im Speiseraum der Europahütte nächtigen könnten, wenn wir beim Abwasch in der Küche mithelfen. Gesagt – Getan. Die 700 Höhenmeter im Abstieg bewältigten wir dann auch noch und nach einer warmen Dusche traten wir dann 18 Uhr unsere Küchendienst in der Europahütte an, nach einem guten Essen arbeiteten wir abwechselnd beim Abwaschen und Abtrocknen des Geschirrs für immerhin über 50 Übernachtungsgäste bis nach 22 Uhr –

Bier, Obstler, frisch gehobelter Schweizer Käse und nette Unterhaltung mit der Wirtin ließen uns den Abend nicht zu lang werden zumal plötzlich auch noch ein 4-Bett-Zimmer frei war.

Thomas und Ricco machten es sich unter freiem Himmel auf der Terasse gemütlich.

 Der Sonntag war dann nur noch dem Abstieg nach Randa und der ca. 10-stündigen Heimfahrt vorbehalten, gegen 19 Uhr waren wir dann wieder alle wohlbehalten und voller vielfältiger Eindrücke wieder zu Hause und mit der Frage: Wo geht es nächstes Jahr hin ?

 

Holger Wegner

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