Am 24.08.01 standen um 14:00 Uhr Dr. Thomas Wegner, Dr. Holger Wegner, Frank Daniel, Steffen Jackstien, Ricco Dunsch, Frank Daniel und Andreas Heinrich v.l.n.r. auf dem Gipfel des Montblanc. Somit konnten alle angereisten Bergfreunde der Königsteiner VG den Gipfel erreichen. |
Unsere Hochtourengruppe reiste vom 23.-26. August 2001 nach Chamonix, dem Alpinistenmekka der Alpen. Ziel der Reise war die Besteigung des Montblanc. Nach 12 Stunden Fahrt mit dem Auto standen wir Chamonix und sahen erstmals 3800 m über uns den Montblanc mit seiner gleißende Kuppel vor dem tiefblauen Himmel. Der Monarch, der höchste Berg der Alpen, der Gipfel schlechthin in diesem Teil der Erde.
Ohne viel Zeit zu verlieren erreichten wir nach einer lustigen Fahrt den etwa acht Kilometer von Chamonix entfernten kleinen Ort Les Houches (1000 m). Von dort gelangten wir mit einer Seilbahn zur Station Bellevue (1790 m). Mittels Zahnradbahn ging es kräftesparend in eine Höhe von 2372 m (Nid d´Aigle). Vor uns lagen an diesem Anreisetag die 800 Hm zu unserer Unterkunft, der Refuge Tête Rousse (3167 m).
Nach keinen fünf Stunden Schlaf bzw. Ruhen (es war schrecklich eng und warm) und einem Katzenfrühstück ging die Tour los. Zuerst querten wir den kleinen Glacier de Tête Rousse (Gletscher). Über einen gestuften Grat ging es gerade hinauf zum Nordgipfel der Aiguille du Goûter (3817 m). Kletterei bis Stellen II und der lose Fels in der Rinne, in die kurz vor dem Gipfel abgeseilt wird stellten mit dem kurzen, etwa 45 Grad steilen Eishang am Ende des Grates den anspruchvollsten Teil der Strecke dar. Auf dem Gipfel der Aiguille du Goûter zeigte sich uns eine völlig neue Szenerie. Gewaltige Schneehänge ließen die Stampferei der nächsten Stunden erahnen. Vor Unterschätzung sei hier aber gewarnt, denn nicht alle, die dorthin so begeistert ausziehen, kommen ungeschoren davon. Die ungewohnte Höhe, ungenügende Kondition und Wetterstürze lassen aus den weißen Hängen, die die Gefahr einer Skipiste ausstrahlen, eine unmenschliche Szenerie werden.
Von der Aiguille du Goûter ging es in südöstlicher Richtung über den breiten Firnrücken hinauf zum Dôme du Goûter (4303 m). Von hier eröffnet sich ein etwas entmutigender Blick auf den mächtigen Gipfelaufbau des Montblanc. Nach dem Abstieg in das riesige Schneefeld des Col du Dôme (4240 m) ließen wir die Notschachtel Refuge Vallot (4362 m) links liegen und erreichten nach dem überschreiten zweier überfirnter Gratbuckel (Les Bosses) den bekannten Bossesgrat, an dem von uns wegen seiner geringen Breite sauberes Steigeisengehen abverlangt wurde. Nach etwa 300 m standen wir auf dem höchsten Punkt. Was uns hier geboten wurde war fast so wie der Blick aus einem Flugzeug. Bei strahlendem Sonnenschein sahen wir im Osten die Walliser Berge, auf dem Monte Rosa standen wir erst im letzten Jahr, im Süden den Grand Paradiso, im Norden den Genfer See und 1000 m unter uns die am Anreisetag noch so unerreichbar hoch wirkende Aiguille de Midi (3842 m). Phantastisch! Die Luft da oben ist sehr dünn. Zusammen mit der uns konditionell alles abverlangenden Tour gingen viele von uns an ihre Grenzen. Umso schöner war für uns der Erfolg ein gemeinsames Gipfelbild aufgenommen zu haben. Der Abstieg sollte den Anspruch der Tour an unsere Kondition noch bestätigen. Insbesondere die letzten 600 Hm durch Fels und Geröll waren im Abstieg für unsere Knie und Oberschenkel strapaziös.
PS: Am 08. August 1786 erreichten der Kristallsucher Jaques Balmat und der Arzt Michel-Gabriel Paccard den Gipfel. Die Erstbesteigung wurde durch 20 Goldtaler, gestiftet von dem Genfer Naturwissenschaftler Horace Bénédict Saussure, belohnt und gilt als Geburtsstunde des Alpinismus.
1861 wurde die heute als Normalweg übliche Route über Aiguille du Goûter, Col du Dôme und Bossegrat erstmals begangen.