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Das Wallis ist das Rückgrat der Alpen. Mehr als die Hälfte der 61 Viertausender der Alpen beherbergt dieses schöne Fleckchen Erde in der Schweiz. Ziel der Tour war der Monte Rosa bzw. dessen höchste Erhebung – die Dufourspitze, 4634 m. Nach den guten Erfahrungen am Ortler und Großglockner wollte unsere Hochgebirgswandergruppe nun ihren ersten 4000er angehen.
Die Besteigung der Dufourspitze über den Normalweg ist anspruchsvoll, zumal die Hauptschwierigkeiten erst am luftigen Gipfelgrat liegen. Benannt wurde der Gipfel 1863 nach dem Herausgeber des ersten exakten Schweizer Landkartenwerkes. Die Erstbesteigung gelang 1855 durch eine von Charles Hudson (der 10 Jahre später bei der ersten Besteigung des Matterhorns im Abstieg abstürzte) finanzierte Gruppe.

Das Monte Rosa Massiv
v.l.: Nordend, Dufourspitze, Liskamm, Castor
Unsere lange Anreise (12 Stunden, 1100 km) endete auf dem Parkplatz in Täsch. In dem Ort vor Zermatt müssen die Autos auf einem Riesenparkplatz abgestellt werden. Per Bahn gelangten wir nach Zermatt, wo wir in die Talstation der Gornergratbahn stiegen. Auf dem kurzen Weg streiften wir die Zermatter Fußgängerzone. Dort trifft sich die Welt und über all dem Rummel und den Zermatter Dächern grüßt wie aus einer anderen Welt der Berg der Berge- das Matterhorn. Mit der Gornergratbahn fuhren wir bis zur Station Rotenboden (2819 m). Auf diesem Aussichtspunkt der Superlative heißt es dann Bergpanorama pur! Von Weisshorn (4505 m) über Zinalrothorn, Ober Gabelhorn, Dent d´Hèrens, Matterhorn (4478 m), Breithorn, Pollux, Castor und Liskamm (4527 m) gelangte unser Blick erstmals auf das gewaltige Bergmassiv des Monte Rosa. Vom Rotenboden gelangten wir allmählich abwärts zum spaltenarmen Gornergletscher. Diesen überquert und nach 300 m Gegenanstieg und 2,5 Stunden Fußweg erreichten wir die Monte-Rosa-Hütte (2795 m).
Westalpen, d.h. auch frühes Aufstehen! Um 3 Uhr war die Nacht vorbei. Mit Hilfe von Stirnlampen ging es zügig über die Gletscherschliffe und den Schutt der Unteren Plattje und über eine Steilstufe auf die Obere Plattje (3200 m). Auf dem Gletscher konnte man im Dunkeln eindrucksvoll die einzelnen Seilschaften wie eine Kette von Glühwürmern (Stirnlampen!) sehen. In luftigen 3600 m Höhe erlebten wir einen wolkenlosen Sonnenaufgang. Dieser versprach einen schönen Spätsommertag. Das Matterhorn hüllte sich in Morgenrot und wenig später konnten wir unterhalb der Satteltole den gewaltigen Gipfelaufbau der Dufourspitze erkennen. Über den Sattel (4359 m) erreichten wir den Westgrat. Über einen vereisten Hang, dann über wenig gegliederten Fels, leicht absteigend, dann einen gewaltigen, fast entmutigenden Firnhang gelangten wir zum Vorgipfel. Besonders am Gipfelgrat ist winddichte Kleidung von entscheidender Wichtigkeit Weiter ging es im leichten Abstieg und dann über steile Stufen zum Gipfel.
Geschafft! Ein phantastischer Rundblick. Ringsrum nur niedrigere Gipfel, aber gleich in der Nähe eine ganze Versammlung von Trabanten, besonders im von der Signalkuppe nach Westen zum Liskamm ziehenden Walliser Grenzkamm. Dank des wolkenfreien Himmels, war der 90 km entfernte Montblanc klar und deutlich zu sehen. Dom und Matterhorn von oben zu betrachten- genauso eindrucksvoll wie die Tiefblicke auf den Grenzgletscher und die unterhalb der mit Himalaja -Dimensionen vergleichbaren 2500 m hohen Monte-Rosa-Ostwand liegenden italienischen Gemeinde.
| Gipfelblick zurück auf den westlichen Vorgipfel, dahinter das Matterhorn, ganz links am Horizont der Mont Blanc | Auf der Satteltole, rechts der Sattel, links der Gipfelaufbau der Dufourspitze | Geschafft!: Der Gipfel 4634 m |
Nach einigen Gipfelbildern und ruhigen Momenten ging es an den langen Abstieg zur Monte-Rosa-Hütte. Die Anstrengungen des langen Auf- und Abstieges verhalfen uns zu einer tiefen und ausgiebigen Nachtruhe. Am nächsten Tag wurde in Ruhe gefrühstückt, auf der Sonnenterasse die Rucksäcke gepackt und der Abstieg nach Zermatt begonnen.
Nach Besuch des alpinen Museums mit allerlei Gräuelobjekten wurde die Heimreise angetreten.
Ein Wochenende, welches konditionell als auch aufgrund des exponierten Gipfelgrates in großer Höhe technisch sehr anspruchsvoll war. Hinzu kamen drei Tage Sonnenschein. Blauer Himmel und die schneebedeckten Viertausender des Wallis bedachten uns mit sehr vielen angenehmen Erinnerungen.
Ricco Dusch, Norbert Jackel, Steffen Jackstien, Holger Wegner und Andreas Heinrich
September 2000
Literatur: Goedecke, Die Viertausender der Alpen